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Beheizbare Wandfarbe: Wie Carbonheizungen funktionieren, was sie kosten und welche Risiken bestehen

Eine Wand, die Wärme abgibt, ohne dass ein Heizkörper zu sehen ist: Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist technisch längst möglich. Spezielle Beschichtungen mit elektrisch leitfähigen Kohlenstoffbestandteilen können Wand- und Deckenflächen in Heizflächen verwandeln. Die Technik wird häufig als Carbonheizung, Heizfarbe oder elektrische Flächenheizung bezeichnet.

Doch wie wirtschaftlich ist eine solche Heizung tatsächlich? Kann sie eine herkömmliche Gasheizung oder Wärmepumpe ersetzen? Und welche Gefahren bestehen, wenn elektrischer Strom durch eine beschichtete Wand fließt?

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Besonders interessant ist die Technik bei der Modernisierung älterer Gebäude, bei denen der Einbau einer Fußbodenheizung mit erheblichem Aufwand verbunden wäre. Allerdings hängt die Wirtschaftlichkeit stark vom Zustand des Gebäudes, den Stromkosten und der benötigten Heizleistung ab.

So funktioniert eine Carbonheizung mit Heizfarbe

Das Prinzip beruht auf elektrisch leitfähigen Materialien, beispielsweise Carbonpartikeln oder Graphit. Diese werden in einer speziellen Beschichtung verarbeitet und auf einen geeigneten Untergrund aufgetragen.

Über elektrische Kontakte wird Strom durch die leitfähige Schicht geleitet. Aufgrund ihres elektrischen Widerstands erwärmt sich die Beschichtung. Die Wärme wird anschließend über die Wandoberfläche an den Raum abgegeben.

Dabei entsteht ein erheblicher Anteil der Wärmeübertragung durch Wärmestrahlung. Gleichzeitig erwärmt die Oberfläche die angrenzende Raumluft. Die häufig verwendete Bezeichnung Infrarotheizung beschreibt also einen wesentlichen Teil der Wärmeabgabe, bedeutet aber nicht, dass ausschließlich Strahlungswärme entsteht.

Anders als bei einer wasserführenden Heizung werden keine Heizungsrohre benötigt. Die Wärme entsteht unmittelbar dort, wo die elektrisch leitfähige Beschichtung installiert ist.

Udo Reifschläger und die Carbonheizung von Rebotherm

Zu den Unternehmen, die sich mit dieser Technik beschäftigen, gehört die Hamburger Rebotherm Energy UG. Geschäftsführer und Gründer ist Udo Reifschläger.

Das Unternehmen bietet unter der Marke Rebotherm unter anderem Carbon-Flächenheizungen, Heizfarben, Heizfolien und Dämmmaterialien auf Aerogel-Basis an. Bereits 2020 veröffentlichte Reifschläger Beiträge über Heizfarbe und deren Verwendung zur Erwärmung feuchter Kellerwände.

Nach Unternehmensangaben wurden auch Heizfarben mit TÜV-Zertifizierung entwickelt beziehungsweise eingesetzt. Wer ein solches System kaufen möchte, sollte sich allerdings das konkrete Zertifikat für das angebotene Produkt vorlegen lassen. Eine allgemeine Aussage über eine Zertifizierung ersetzt keinen Nachweis für die jeweilige Installation.

Was kostet beheizbare Wandfarbe?

Die Anschaffungskosten hängen von der Größe der Heizfläche, der erforderlichen Leistung, den elektrischen Anschlüssen und dem Zustand der Wand ab.

Zur Orientierung: Für elektrische Wandheizungen mit Heizmatten werden Preise von etwa 100 bis 150 Euro je Quadratmeter genannt. Das ist allerdings kein verbindlicher Preis für Carbon-Heizfarbe. Bei dieser kommen unter anderem die Beschichtung, Kontaktbänder, Netzteile, Regelung und Montage hinzu.

Wie hoch sind die Stromkosten?

Eine Carbon-Heizfarbe ist eine elektrische Direktheizung. Sie wandelt elektrische Energie nahezu vollständig in Wärme um. Aus einer Kilowattstunde Strom entsteht ungefähr eine Kilowattstunde Wärme.

Zum Vergleich: Eine Wärmepumpe kann unter geeigneten Bedingungen aus einer Kilowattstunde Strom drei oder mehr Kilowattstunden Wärme bereitstellen.

Die folgende Rechnung zeigt, welche Kosten allein durch den Stromverbrauch entstehen können.

Stromkosten-Rechner für Carbonheizungen

Beispielrechnung für eine Heizfläche mit einstellbarer elektrischer Leistung und täglicher Volllastlaufzeit.

Elektrische Leistung 1800 W

Volllaststunden pro Tag 12 Stunden

Heiztage im Jahr 240 Tage

Strompreis je kWh

Berechnete Stromkosten pro Jahr

1.814,40 €

5.184 kWh Stromverbrauch

Die Rechnung setzt die gewählte Laufzeit mit voller Leistung an. Thermostatabschaltungen, Netzteilverluste und der tatsächliche Wärmebedarf können das Ergebnis verändern.

Ein Beispiel für ein ganzes Haus: Benötigt ein Gebäude jährlich 10.000 kWh Raumwärme, verursacht eine elektrische Direktheizung bei 30 Cent je Kilowattstunde rechnerisch etwa 3.000 Euro Stromkosten. Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3 würde für dieselbe Wärmemenge etwa 3.333 kWh Strom benötigen.

Der wesentliche Punkt: Carbon als Heizmaterial erzeugt keine zusätzliche Energie. Einsparungen können sich durch eine bedarfsgerechte Steuerung, geringere Raumtemperaturen oder weniger Verteilungsverluste ergeben, nicht durch eine wundersame Vervielfachung der eingesetzten Strommenge.

Vorteile von beheizbarer Wandfarbe

Unsichtbare Heizung: Heizkörper entfallen, die Heizschicht kann mit geeigneten Wandfarben überstrichen werden.

Angenehme Strahlungswärme: Erwärmte Oberflächen können schon bei etwas geringerer Raumlufttemperatur für Behaglichkeit sorgen.

Keine wasserführenden Leitungen: Es werden weder Heizungsrohre noch Heizkörper benötigt.

Geringer Wartungsaufwand: Die Beschichtung besitzt keine beweglichen Teile.

Raumweise Regelung: Einzelne Zimmer können bedarfsgerecht beheizt werden.

Interessant für Sanierungen: Besonders dort, wo herkömmliche Heizkörper stören oder Fußböden nicht geöffnet werden sollen.

Bei gut gedämmten Gebäuden mit niedrigem Wärmebedarf kann eine solche Technik auch als Hauptheizung infrage kommen. Im unsanierten Altbau ist dagegen besondere Vorsicht bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung geboten.

Gefahren und Nachteile: Was muss beachtet werden?

1. Elektrische Sicherheit

Die Beschichtung ist Bestandteil einer elektrischen Anlage. Auch wenn manche Systeme mit 24 oder 36 Volt Schutzkleinspannung arbeiten, müssen Netzteile, Leitungen und Anschlüsse fachgerecht ausgelegt werden.

Die elektrische Installation und Prüfung gehören in die Hände einer qualifizierten Elektrofachkraft. Das gilt besonders in Badezimmern und anderen Feuchträumen.

2. Beschädigungen durch Bohren und Nägel

Bei einer unsichtbaren Wandheizung ist später nicht mehr erkennbar, wo sich die elektrisch leitfähigen Flächen und Anschlussleitungen befinden.

Wer ein Regal aufhängt oder ein Loch bohrt, könnte die Heizschicht oder Leitungen beschädigen. Deshalb sollten die beheizten Bereiche vor dem Überstreichen dokumentiert und dauerhaft in einem Installationsplan festgehalten werden.

3. Überhitzung durch Möbel

Große Schränke, Wandverkleidungen oder andere Gegenstände können die Wärmeabgabe behindern. Abhängig vom System sind deshalb Mindestabstände und freie Heizflächen erforderlich.

Eine passende Temperaturregelung und die Einhaltung der Herstellerangaben sind notwendig, um unzulässige Erwärmungen zu verhindern.

4. Hohe Betriebskosten

Der größte wirtschaftliche Nachteil bleibt der Stromverbrauch. Je schlechter ein Gebäude gedämmt ist, desto mehr Wärme muss nachgeliefert werden.

Eine niedrige Anschaffungssumme kann deshalb über die Jahre durch höhere Stromrechnungen aufgezehrt werden.

5. Schimmel und Feuchtigkeit

Erwärmte Wandoberflächen können das Risiko von Kondenswasser und damit von Schimmelbildung reduzieren.

Allerdings beseitigt Heizfarbe keine baulichen Ursachen für Feuchtigkeit. Bei eindringendem Regenwasser, undichten Leitungen oder aufsteigender Feuchtigkeit ist eine fachgerechte Sanierung notwendig. Eine bloße Erwärmung kann vorhandene Feuchteschäden verdecken, ohne ihre Ursache zu beseitigen.

6. Reparaturen und spätere Renovierungen

Bei Beschädigungen muss geklärt werden, ob die Heizfläche punktuell repariert werden kann oder neu aufgebaut werden muss. Auch neue Tapeten, Spachtelschichten oder Wandverkleidungen dürfen die Funktion nicht beeinträchtigen.

Vor einer Renovierung sollten deshalb die Verarbeitungsvorgaben des jeweiligen Herstellers geprüft werden.

Technische Besonderheiten: Wie heiß kann Heizfarbe werden?

Nicht jede Heizfarbe besitzt dieselben technischen Eigenschaften. Ein Anbieter von Graphen-Heizfarbe nennt beispielsweise eine Schichtdicke von rund 0,2 Millimetern, Betriebsspannungen zwischen 24 und 48 Volt und eine mögliche Heizleistung von bis zu 350 Watt pro Quadratmeter.

Auch Oberflächentemperaturen von 28 bis 170 Grad Celsius werden für unterschiedliche Anwendungen angegeben. Solche Höchstwerte dürfen allerdings nicht mit der zulässigen Betriebstemperatur einer normalen Wohnraumwand verwechselt werden. Die Temperatur muss zur Beschichtung, zum Untergrund und zur vorgesehenen Nutzung passen.

Heizfarbe oder Heizfolie: Welche Technik ist sinnvoller?

Interessant ist eine Entwicklung bei Rebotherm selbst. Das Unternehmen empfiehlt für neue Projekte inzwischen bevorzugt Carbon-Heizfolien anstelle der ursprünglich eingesetzten Heizfarbe.

Als Grund nennt Rebotherm die aufwendigere Verarbeitung des Heizanstrichs. Bei Heizfolien ist die Carbonbeschichtung bereits werkseitig aufgebracht. Das soll die Montage vereinfachen und die Ausführung besser planbar machen.

Damit zeigt sich: Die Idee, eine Wand einfach mit Heizfarbe zu streichen, ist in der praktischen Umsetzung anspruchsvoller, als es zunächst klingt.

Kann eine Carbonheizung mit Photovoltaik betrieben werden?

Grundsätzlich ja. Da die Heizung Strom benötigt, kann sie auch selbst erzeugten Solarstrom nutzen. Besonders bei kleinen Heizflächen oder in der Übergangszeit kann das interessant sein.

Allerdings fällt der größte Heizbedarf gewöhnlich in den Winter, wenn Photovoltaikanlagen vergleichsweise wenig Strom erzeugen. Auch ein Batteriespeicher kann diese saisonale Lücke nicht ohne Weiteres schließen.

Eine Solaranlage macht eine elektrische Direktheizung deshalb nicht automatisch zu einer günstigen Hauptheizung.

Was gilt bei Förderung und gesetzlichen Anforderungen?

Wer eine Carbonheizung als alleinige Gebäudeheizung installieren möchte, sollte vorab prüfen lassen, ob die geplante Anlage die jeweils geltenden gebäudeenergetischen Anforderungen erfüllt.

Auch die Förderfähigkeit muss für das konkrete System geprüft werden. Eine Förderung, die beispielsweise für eine Wärmepumpe vorgesehen ist, kann nicht ohne Weiteres auf eine elektrische Direktheizung übertragen werden.

Bei Neubauten und umfangreichen Sanierungen empfiehlt sich deshalb eine unabhängige Energieberatung. Dabei sollten Heizlast, Dämmstandard, Investitionskosten und der erwartete Stromverbrauch gemeinsam betrachtet werden.

Worauf Verbraucher vor dem Kauf achten sollten

Vor der Entscheidung für eine beheizbare Wandfarbe sollten folgende Fragen geklärt werden:

Liegt eine raumweise Heizlastberechnung vor?

Wie hoch sind die vollständigen Installationskosten einschließlich Netzteilen und Elektroarbeiten?

Welche Stromkosten werden bei realistischen Nutzungsbedingungen erwartet?

Welche Sicherheitsprüfungen und Zertifikate besitzt das konkrete Produkt?

Welche maximalen Oberflächentemperaturen sind im Wohnraum zulässig?

Was passiert bei einer Beschädigung oder späteren Renovierung?

Welche Garantiebedingungen gelten für die Beschichtung und die elektrischen Komponenten?

Ist die Technik als Hauptheizung geeignet oder nur als zusätzliche Wärmequelle?

Wer Angebote vergleicht, sollte sich nicht allein auf Werbeaussagen über besonders niedrigen Energieverbrauch verlassen. Aussagekräftiger sind nachvollziehbare Berechnungen auf Grundlage des tatsächlichen Wärmebedarfs.

Beheizbare Wandfarbe: Eine interessante Alternative mit Grenzen

Carbon-Heizfarbe ermöglicht eine nahezu unsichtbare Wärmeversorgung und kann gerade bei einzelnen Räumen oder speziellen Sanierungsvorhaben Vorteile bieten. Die Wärme lässt sich gezielt dort erzeugen, wo sie gebraucht wird, und klassische Heizkörper werden überflüssig.

Für die Beheizung eines ganzen Hauses ist jedoch eine sorgfältige Wirtschaftlichkeitsprüfung notwendig. Eine elektrische Direktheizung bleibt beim Stromverbrauch grundsätzlich im Nachteil gegenüber einer effizient arbeitenden Wärmepumpe.

Wer sich für die Technik interessiert, sollte deshalb neben der Anschaffung auch die langfristigen Betriebskosten, die elektrische Sicherheit und die baulichen Voraussetzungen berücksichtigen.

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