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Auf einen Kaffee mit Frank Roth

März 2, 2026

Vorstand / CEO der AppSphere AG, Vizepräsident der IHK Karlsruhe

Auf einen Kaffee mit Frank Roth

Frank Roth mit Ariane Lindemann im Gespräch

Frank Roth, Vorstandsvorsitzender der AppSphere AG, Vizepräsident der IHK Karlsruhe und Vorstandsmitglied des CyberForum e.V., hat seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der IHK Karlsruhe eingereicht. Das CyberForum hat sich mit ihm über Verantwortung, Krisenführung und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe unterhalten.

Von Ariane Lindemann

Auf einem Bauernhof lernt man Dinge, die an Universitäten kaum vorkommen.
Man lernt, dass die Wirklichkeit nicht diskutiert werden will. Sie reagiert nicht auf Argumente, sondern auf Handlungen. Wenn eine Maschine stehen bleibt, steht sie. Wenn man sich nicht um sie kümmert, wird es schlimmer, nicht besser. Es gibt hier keinen Zeitpunkt, an dem Nicht-Handeln folgenlos bleibt. Ein Bauernhof ist kein Idyll. Er ist ein knallharter Betrieb. Und er ist ein Wahrheitstest.

Frank Roth ist auf einem solchen Hof aufgewachsen, nahe Offenburg. Hier hat er früh gelernt, was Verantwortung bedeutet. Seine Eltern haben ihn so erzogen und sind bis heute seine großen Vorbilder. Hier heißt es nicht: erklären, warum etwas schiefgelaufen ist. Verantwortung heißt: Hingehen. Reparieren. Entscheiden. Weitermachen.

Frank war auf dem Hof nicht unbedingt „der mit den Tieren“, sondern der, der sich um die Technik kümmerte. Wenn etwas wackelte, funkte oder ausfiel, landete es bei ihm. Technik musste funktionieren. Vielleicht ist dort auch diese gewisse Unruhe entstanden, die ihn bis heute begleitet.

Stillstand war auf dem Hof kein Zustand, sondern ein Problem. Wenn nichts zu tun war, suchte man sich etwas. Und wenn etwas nicht lief, wartete niemand darauf, dass es sich von selbst regelte. Als ich ihm heute in seinem Büro gegenübersaß, war davon noch erstaunlich viel spürbar.

Seine Vorliebe für Technik und Innovation konnte er auf dem Technischem Gymnasium und an der Hochschule Karlsruhe ausleben. Ein Studium war nicht selbstverständlich, warf der Hof nicht so viel Geld ab, um alles finanzieren zu können. Deshalb waren Ferienjobs bei einer lokalen Schreinerei oder bei der Gemeinde als Waldarbeiter die nötigen Finanzquellen, um das Studium zu finanzieren. Alle diese Ferienjobs machten ihm Spaß, aber die Vorliebe für die Technik und für Computer war ungebrochen.

„Ich habe und hatte das Privileg, mein Hobby zum Beruf zu machen! Deshalb ist Arbeit für mich keine Belastung, sondern pure Freude und Spaß.“

Es überrascht nicht, dass jemand mit dieser Prägung später ein IT-Unternehmen gründet. Für ihn ist Technik kein Selbstzweck. Moderne IT funktioniert im Kern nicht anders. Sie ist kein Projekt, sondern ein Zustand. Sie verzeiht Ignoranz nicht. Sie kollabiert leise, wenn man sie nicht ernst nimmt. Und sie belohnt nicht Visionen, sondern Wartung.

Dieses Zuständigsein bleibt. Als Frank 2010 das Unternehmen AppSphere in Ettlingen gründete, ging es ihm nicht primär darum, etwas neu zu denken, sondern darum, Verantwortung selbst zu übernehmen. Stillstand ist für ihn Rückschritt. Er interessiert sich wenig für Gründungsmythen. Er spricht lieber darüber, ob etwas läuft. Oder eben nicht.

So erklärt sich auch seine Sicht auf das Thema Digitalisierung. Für ihn ist sie weder Verheißung noch Bedrohung, sondern schlicht Realität. Wer sie ignoriert, handelt nicht bewahrend, sondern fahrlässig. „Das Problem liegt weniger in der Technologie als vielmehr beim Menschen: in der bequemen Haltung, Veränderung gutzuheißen, solange sie vor allem die anderen betrifft.“

Frank kennt die Dynamik aus Unternehmen ebenso wie aus Vereinen. Handball spielt in seinem Leben eine große Rolle. Zwanzig Jahre selbst aktiv, heute im Vorstand. Die HSG Ettlingen hat er mit aufgebaut, Strukturen professionalisiert, Sponsoren gewonnen.

Erfolg ist für ihn kein Zufall, sondern das Ergebnis von Einsatz und Wille.

Doch genau dieser Anspruch macht ihn auch verletzlich. Als seine Mannschaft im Herbst gegen seinen Heimatverein aus Neuried-Altenheim (Südbaden) verliert, ärgerte er sich darüber mehr, als er erwartet hatte. Wochenlang hatte er sich innerlich darauf gefreut. Er wollte zeigen, wie weit Ettlingen sportlich gekommen ist. Stattdessen fährt er mit einer Niederlage nach Hause. „Ich habe in der Nacht schlecht geschlafen“, erzählt er. Er ist enttäuscht. Nicht von einzelnen Spielern, sondern von der inneren Einstellung des Teams. „Ich hatte das Gefühl, dass nicht alle an ihre Grenze gegangen sind, dass wir uns mit zu wenig zufriedengaben.“

Er ist keiner, der Gleichgültigkeit akzeptiert. „Wer erfolgreich sein will, muss selbst bereit sein, alles zu geben, und zwar finanziell, zeitlich und auch emotional.“ Und wenn dieser Maßstab nicht eingehalten wird, wird er deutlich. Nicht, weil er polarisieren will, sondern, weil ihm Dinge ernst sind.

„Wer erfolgreich sein will, muss selbst bereit sein, alles zu geben, und zwar finanziell, zeitlich und auch emotional.“

Im Unternehmen hat Frank Entscheidungen getroffen, die niemand gern trifft. Krisenjahre, Entlassungen. Einschnitte. In 2024 war es mehr als eine konjunkturelle Flaute. Zwei Großkunden brechen unerwartet weg. Fünfzehn, zwanzig Berater plötzlich ohne Auslastung. Ein Modus, der über Jahre funktioniert hat, kippt innerhalb weniger Wochen. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt er.

Zunächst wird gespart, wo es leicht scheint. Sachkosten runter. Zuschüsse streichen. Signale setzen. Doch bald ist klar: Das reicht nicht. Die Kurven von Kosten und Ertrag nähern sich einander. Und Frank erinnert sich an eine Folie aus den frühen Neunzigern bei seinem ersten Arbeitgeber: Zwei Linien – Ertrag und Kosten – die sich kreuzen. Ab diesem Punkt wird es gefährlich. So nah will er nicht kommen.

Was dann folgt, ist ein innerer Konflikt. Da ist der Unternehmer, der weiß, dass eine Firma nur überlebt, wenn sie sich rechtzeitig anpasst. Und da ist der Mensch, der Mitarbeiter kennt, ihre Familien, ihre Geschichten. „In guten Zeiten schleppt man das durch“, sagt er. „Man sagt sich: Das kriegen wir schon hin.“ Aber irgendwann kann eine solche Haltung ins Verderben führen.
Hinzu kommt etwas, worüber Unternehmer selten offen sprechen: Die Firma ist auch seine Altersvorsorge. Fast alles wurde rein investiert. Kein großer Vermögensaufbau außerhalb. „Damals war klar: Wenn AppSphere scheitert, steht mehr auf dem Spiel als ein Geschäftsmodell.“

„Damals war klar: Wenn AppSphere scheitert, steht mehr auf dem Spiel als ein Geschäftsmodell.“

Also entscheidet er mit seinen Vorstandskollegen, Kosten zu senken. Sozialverträglich, soweit es geht. Gespräche führen. Strukturen verschlanken. Bereiche hinterfragen, die man früher aus Loyalität mitgetragen hätte. „Die Älteren im Unternehmen verstanden es sofort.
Sie kennen Krisen. Bankenkrisen. Insolvenzen. Umbrüche. Die Jüngeren reagierten irritiert und verunsichert. „Uns ging es doch immer gut“, sagten sie. Und plötzlich besteht Führung weniger darin, Strategien zu entwickeln, als immer wieder geduldig und transparent zu erklären, dass es jetzt Veränderungen braucht – so hart sie auch sein mögen:“

Heute steht die Firma stabiler da als zuvor. Doch der Preis war hoch, vor allem emotional.

Auch privat trägt vieles die Handschrift dieser Verlässlichkeit. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Frank verheiratet. Kennengelernt haben sie sich im Berufsleben – und arbeiten bis heute in der gleichen Firma. Gemeinsam sind sie unterwegs, durch Aufbaujahre, Wachstumsphasen, Krisen. Wie das funktioniert? „Durch eine klare Rollendefinition! Hier im Unternehmen bin ich der Chef“, sagt er, „zu Hause ist sie es.“ Während sie sich um die Unternehmensfinanzen kümmert, baut er Strukturen auf, startet neue Projekte, engagiert sich in Gremien. Sie steuert den familiären Rahmen und hält den Alltag stabil.

„Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre ich nie so weit gekommen. Sie ist mein Fels in der Brandung – meine große Liebe!“

Zwei erwachsene Kinder, beide zielstrebig, beide eigenständig. Der Sohn studiert Wirtschaftsinformatik am KIT, die Tochter Medizin in Salzburg. Beide wussten früh, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen und dass die Übernahme von Verantwortung wichtig ist. Wenn er von ihnen spricht, klingt nicht Stolz im Sinne von Selbstzuschreibung mit. Eher Dankbarkeit. „Da haben wir wohl vieles richtig gemacht“, sagt er. Und es entspricht seinem inneren Maßstab: nicht laut erfolgreich sein, sondern verlässlich wachsen lassen.

Der Bodensee ist sein Rückzugsort. Blick aufs Wasser, zweite Häuserreihe. Doch selbst dort landet Frank schneller in Verantwortung, als ihm lieb sein kann. Segelclub, Digitalisierung, Vorstandsmitglied. Es ist ein wiederkehrendes Muster: Wo er hingeht, wird er gefragt. Und wo er gefragt wird, bleibt er nicht Zuschauer.

In den letzten Jahren hat sich sein Radius erweitert. Er ist heute Vizepräsident der IHK Karlsruhe, engagiert sich in Gremien und übernimmt auch hier Verantwortung. Themen wie Bürokratie, Fachkräftemangel oder die Standortbedingungen sind längst Teil seines Alltags. Als die Anfrage kam, ob er sich eine größere Rolle bei der IHK vorstellen könne, war seine Frau die Erste, mit der er sprach. Ihre Antwort war schlicht: „Wenn du es machen willst, dann mach es!“ Ende Februar hat er nun seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bei der IHK-Vollversammlung hinterlegt.

Man fragt sich nun, wie er all das unter einen Hut bringen kann und will?

„Besseres Zeitmanagement und Reduzierung operativer Themen – dann bleibt genug Zeit für neue Aufgaben und Herausforderungen!“

Frank Roth ist kein Ideologe. Er misstraut einfachen Antworten. Und er weiß, dass Systeme nicht dadurch stabil werden, dass man sie ignoriert. Sondern dadurch, dass man regelmäßig hinschaut. Nüchtern und ohne Illusion. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion, die man auf einem Bauernhof lernt und die man in einem IT-Unternehmen dringend braucht: Dass nichts von selbst hält.

Danke, Frank, für dieses wunderbare und Gespräch und für deine Offenheit, auch die unbequemen Realitäten von Verantwortung dabei nicht auszusparen.

Pressekontakt:
CyberForum e.V.
Ariane Lindemann
Marketing
T +49 (0) 721/602 897-652
E ariane.lindemann@cyberforum.de

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