Wirtschaftsperspektiven

Jan. 13, 2026

Kreislaufwirtschaft: Eine neue Welt?

Wirtschaftsperspektiven

Aus Flasche wird Flasche: Kunststoff bleibt im Kreislauf. (Bildquelle: Plastic is Fantastic Association)

Ökonomie, neu gedacht: Mit der Kreislaufwirtschaft wird linearer Verbrauch durch dauerhaft zirkulierende Materialien ersetzt. Mit enormem Potenzial: Laut McKinsey & Company könnte Europa damit bis 2030 einen Netto-Nutzen von bis zu 1,8Billionen Euro erzielen. Gleichzeitig ließen sich Versorgungsströme sichern und der Rohstoffbedarf um 32% senken.

Kunststoff gilt dabei als Haupttreiber: Seine nachhaltigen Eigenschaften und hohe Relevanz machen ihn zum Schlüssel der zirkulären Industrie. „Kreislaufwirtschaft und Design for Recycling sind die Zukunft“, sagt Philipp Lehner, CEO eines weltweit führenden Herstellers von Kunststoffverpackungen. Das Unternehmen ALPLA fördert Kunststoff-Kreisläufe unter anderem mit 14 Recyclingwerken weltweit.

Recycling als Erfolgsfaktor
Der Ansatz: In Kreislaufsystemen ist Abfall Ausgang neuer Wertschöpfung. Materialien – insbesondere Kunststoffe – werden mehrfach nutz- und idealerweise zu 100% recycelbar gestaltet. Um das Ziel zu erreichen, sind mehrere Faktoren entscheidend, Philipp Lehner: „Wir müssen systemische Verpackungen entwickeln, die sich leicht im Kreislauf verankern, das heißt Stoffe, die leicht recycelbar sind. Zudem brauchen wir funktionierende Systeme für die Sammlung. Das funktioniert nur, wenn wiederverwertbaren Werkstoffen ein Wert beigemessen wird. Dann findet sich auch jemand, der Interesse hat, den Marktpreis für die Sammlung zu bezahlen.“

Deshalb denkt Kunststoffhersteller ALPLA bereits beim Aufbau eines Recyclingwerks die lokale Sammelstruktur gleich mit, wie etwa in Mexiko. Und arbeitet parallel an Design for Recycling und dem zunehmenden Einsatz von Rezyklat: So brachte ALPLA gemeinsam mit PTT Global Chemicals 2023 in Thailand das erste lebensmittelechte Rezyklat-PET (rPET) auf den Markt, inklusive der ersten vollständig aus rPET bestehenden Flaschen für Pepsi und Minere. In Indien unterstützte das Unternehmen die Einführung der ersten 100%igen rPET-Flasche durch Coca-Cola und trug damit zum Ziel des Getränkeherstellers bei, bis 2030 50% recyceltes Material in Verpackungen einzusetzen. Ein Meilenstein: Denn die Herstellung lebensmittelechter Rezyklate ist technisch besonders anspruchsvoll, da höchste Hygiene- und Sicherheitsstandards eingehalten werden müssen, ohne die Materialqualität zu beeinträchtigen.

Zirkularität als Wachstumsmotor
Der Aufwand ist eine Investition in die Zukunft: Ergänzend zur McKinsey-Modellanalyse könnten laut der Stockholmer Investmentfirma Summa Equity die kreislaufwirtschaftlichen Märkte in der EU bis 2040 ein Volumen von rund 1,5 Billionen Euro erreichen. Dabei profitieren Unternehmen von längeren Produktlebenszyklen, höherer Materialeffizienz und geringeren Produktionskosten. Auch der Arbeitsmarkt gewinnt: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) rechnet damit, dass der Übergang zur Circular Economy bis 2030 weltweit 7 bis 8Millionen neue Jobs schafft.

Europa steht noch am Anfang: Laut European Environment Agency (EEA) lag die zirkuläre Materialnutzungsrate der EU in 2023 bei 11,8%. Deutschland verwertete im selben Jahr bereits 99,5% der gesammelten Kunststoffabfälle – über 38% werk- und rohstofflich/chemisch, mehr als 61% energetisch. Das verdeutlicht das enorme Potenzial der Kreislaufwirtschaft, speziell bei Kunststoffen.

Kreisläufe als Ressourcensicherung
Zirkuläre Modelle schaffen zudem beständige Ressourcenströme und senken den Bedarf an Erstrohstoffen. Die Materialien bleiben regional und kontrolliert im System, unabhängig von Beschaffungsmärkten und geopolitischen Risiken. So wird die Kreislaufwirtschaft Teil der ökonomischen Infrastruktur, vergleichbar mit Energie- oder Verkehrsnetzen.

Lokale Kreisläufe wirken wie „Materialkraftwerke“ und ersetzen importierte Rohstoffe durch hochwertiges Rezyklat. Das stabilisiert Lieferketten und senkt Kosten. Wachstum entsteht ohne zusätzlichen Materialeinsatz, Ökologie und Ökonomie verschmelzen. Bestes Beispiel: Das Bottle-to-Bottle-System, bei dem aus gebrauchten PET-Flaschen neue hergestellt werden – mit einem geringen Anteil an Erstmaterial. ALPLA hat eine Weinflasche aus PET konzipiert, die noch mehr kann. Daniel Lehner, Global Sales Director Food & Beverage bei ALPLA: „Die Flasche ist vollständig recycelbar und kann mit bis zu 100 Prozent Rezyklat produziert werden.“

Kreislaufwirtschaft als neue Realität
Zirkuläre Systeme entwickeln sich nach und nach zur ökonomischen Wirklichkeit: Der Nutzen eines Materials steigt mit Länge und Anzahl seiner Lebenszyklen. Wertschöpfung entsteht durch Wiederverwertung statt Verbrauch. Unternehmen optimieren Kreislaufquoten und Materialeffizienz statt Produktionsmengen.

Anwender und Konsumenten profitieren in der Kreislaufwirtschaft zusätzlich von Sharing-Systemen. Produkte werden als Service bereitgestellt, Verfügbarkeit ersetzt Eigentum. Unternehmen verkaufen Dienstleistung statt Stückzahlen, bieten anstelle von Maschinen garantierte Performance. Anbieter wie Siemens, Kaeser oder Rolls-Royce nutzen bereits solche Pay-per-Use-Modelle. Auch Tesla zählt mit seinem Robotaxi dazu, Elon Musks Vision: Fahrzeuge in ein gemeinsames autonomes Fahrdienstnetzwerk zusammenzuführen. Die Kreislaufwirtschaft ist damit mehr als ein Nachhaltigkeitskonzept – sie definiert eine Ökonomie, die durch Mehrfachnutzung und Selbsterneuerung wächst.

Bei „Plastic is Fantastic“ geht es um die Beziehung zwischen dem Menschen und einem der elementarsten Bausteine der Zivilisation: Kunststoff. Die Initiative will mit sachlichen Beiträgen die Wertschätzung erreichen, die dem vielseitigen Material angemessen ist.

Mehr Informationen zu Plastic is Fantastic finden Sie hier: https://www.plasticisfantastic.info/de

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