Auf dem Tiefpunkt der gegenwärtigen politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel zeigen neueste Forschungen, wie selbstverständlich und fruchtbar das Zusammenleben jüdischer, muslimischer und christlicher Einwohner in der Hauptstadt des späten Osmanischen Reiches einst war.
Memoiren jüdischer Istanbuler des 19. und 20. Jahrhunderts sind das Thema eines Workshops internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen, der am 10. Oktober 2011 an der Hebrew University of Jerusalem stattfindet. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Turkologie der Universität Bamberg sowie mit Forschenden aus den Nachfolgestaaten des Osmanischen Reichs und unterstützt durch institutionelle Kooperation mit Universitäten dieser Länder, wie etwa der Hebrew University in Jerusalem, wird bezweckt, eine wichtige Forschungslücke zu schliessen: durch die systematische Einbeziehung und Erschliessung von Memoiren und anderen Egodokumenten von Muslimen wie Nicht-Muslimen soll die Historiographie zum spätosmanischen Reich um die Innenperspektive seiner multiethnischen und multikulturellen Einwohner ergänzt werden. Bislang unzugängliche Quellen zur spätosmanischen Sozialgeschichte sollen hierbei in einer westlichen Sprache, dem Englischen, einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Der Workshop dient zugleich als Auftakt zur Etablierung eines neuen Forschungsschwerpunkts zu Egodokumenten aus dem späten Osmanischen Reich am Orient-Institut Istanbul. Das Orient-Institut Istanbul ist ein Institut der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA).
Quelle pressrelations.de