Computer- und Videospiele machen Fernsehen und Internet zunehmend Konkurrenz. Ihr Erfolgsgeheimnis: Spielen macht Spaß. Anders sieht es mit der Beliebtheit des Lernens aus. Viele Menschen empfinden es als langweilig und träge. Serious Games versuchen diese scheinbaren Gegensätze zu vereinen und dem Spielen zugrunde liegende psychologische Mechanismen für das Lernen zu nutzen. Prof. Dr. Heinz Mandl, Experte für Lehr-Lern-Forschung an der Ludwig-Maximilian-Universität München, analysiert in seinem Keynote-Vortrag am 26. März auf der Messe PERSONAL2009 verschiedene Formen digitaler Spiele und entwickelt auf dieser Grundlage Kriterien für die wirksame Gestaltung von Serious Games in der betrieblichen Weiterbildung.
Computerspiele genießen vielfach einen zweifelhaften Ruf. Männliche, jugendliche Stubenhocker ohne Freunde – so zeichnen die Medien häufig das Klischee des Computerspielers. Neben einem hohen Aggressionspotenzial gehört zumeist auch ein niedriges Bildungsniveau ins Bild, denn Spielen gilt als die Ablenkung von Lernen schlechthin. Zu Unrecht, wie Prof. Dr. Heinz Mandl findet. „Spielen ist ein Grundbedürfnis des Menschen“, erklärt er. „Wir spielen gerne, weil es Vergnügen, Freude, Entspannung, Zerstreuung und Gemeinschaftserlebnisse ermöglicht.“ Spielen erlaube uns, eine Rolle zu spielen, wichtige Aufträge auszuführen und dafür belohnt zu werden. Dabei lerne der Spieler, zwar nicht explizit, aber beiläufig.
Stimulierende Spielelemente für Lernprozesse ließen sich am besten anhand verschiedener Spielformen aufzeigen, erläutert der Professor für Empirische Pädagogik und zählt einige auf: „Erkundungsspiele wecken Neugier und Pioniergeist, Regelspiele hingegen stellen den Wettbewerb in den Vordergrund und in Konstruktionsspielen kommt den schöpferischen Tätigkeiten eine besondere Rolle zu.“ Die Spieler erlebten bei all diesen Spielen lustvolle Gefühlszustände bis hin zu Flow, da sie in der Tätigkeit aufgingen und alles um sich herum vergäßen.
Serious Games machen sich diese Motivationselemente zunutze und versuchen, Spielen und Lernen zu verbinden. Der Unterschied zu klassischen Adventure-Spielen: Serious Games sind in Lernszenarien eingebettet, die eine Reflexion der Spielhandlung erlauben. „So können die Lernenden die Inhalte über das eigentliche Spiel hinaus tiefer verarbeiten“, ist Prof. Dr. Mandl überzeugt. In der Wirtschaft kommen Serious Games dem Experten für pädagogische Psychologie zufolge schon mehrfach zum Einsatz. Elektronikmärkte nutzten sie etwa, um die Verkaufskompetenz ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Auch Telekommunikationsunternehmen griffen auf Serious Games zurück und schulten damit die Kundenorientierung ihres technischen Personals.
„In diesen Spielszenarien sind oft mehrere Akteure beteiligt“, so Prof. Dr. Mandl. Die Teilnehmer könnten bei manchen Verkaufstrainings gegenseitig ihre Einschätzung der Situation äußern und solche Spiele im Wettbewerb bearbeiten. „Bei manchen Serious Games spielen die Mitarbeiter zwar allein, Spieler interagieren aber mit Avataren, also virtuellen Personen.“ Doch im Vergleich zu interaktiven Prozessen wie sie auch im Web 2.0 möglich sind, gehen Computerspiele und ihr pädagogisches Pendant einen Schritt weiter: Mit simulierten Interaktionen können die Lernenden Wissen in Handlungskompetenz umwandeln.
Dazu müssten die Lernumgebungen jedoch so gestaltet sein, dass die erprobten Strategien und Techniken sich auf ihre Arbeitsumgebung bezögen, fordert der Professor. Serious Games benötigten außerdem eine Nachbereitung bezogen auf das Tätigkeitsumfeld. Häufig scheitere die Einführung von spielbasierten Lernumgebungen jedoch schon an der Konzeption der Spiele. „Uns fällt oft auf, dass Weiterbildungsanbieter ihre Produkte ohne ein vernünftiges Konzept erstellen, das aktuelle Erkenntnisse der Forschung berücksichtigt“, berichtet der Experte von der Ludwig-Maximilian-Universität. Die Technologie dürfe bei der Entwicklung nicht zum Selbstzweck werden.
Weitere Tipps für den praktischen Einsatz von Serious Games in Unternehmen gibt Prof. Dr. Heinz Mandl in seinem Keynote-Vortrag „Lernen und Spielen – ein Gegensatz?“ am Donnerstag, 26. März, 14.45 – 15.15 Uhr in Forum 5 der PERSONAL2009 in München.
Informationen zu der Fachmesse sind unter www.personal-messe.de erhältlich.
Falls Sie ein Interview mit Prof. Dr. Heinz Mandl planen, vereinbaren wir für Sie gerne einen Termin auf der PERSONAL2009 oder liefern Ihnen die Kontaktdaten.¶
Ansprechpartner:
Frau Stefanie Hornung
spring Messe Management GmbH & Co. KG
Telefon: +49 (621) 70019-72
Fax: +49 (621) 70019-19
Zuständigkeitsbereich: Pressesprecherin „Zukunft Personal“
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