Wenn Facebook-Nutzer auf die Straße gehen…

Ob ein Button mit der Aufschrift „Atomkraft – Nein, Danke!“ auf dem eigenen Profilbild oder eine rote Schleife zum Welt-AIDS-Tag: Facebook bietet seinen Nutzern zahlreiche virtuelle Möglichkeiten, um zu gesellschaftlichen und politischen Themen Farbe zu bekennen. „Facebook erleichtert es den Menschen, politisch aktiv zu werden und gibt ihnen das Gefühl, Politik sogar beeinflussen zu können“, lautet die Hypothese von Dr. Yannis Theocharis, der die Wirkung neuer Medien auf das politische Verhalten ihrer Nutzer erforscht. Der 28-jährige Grieche ist seit Mai auf Einladung von Prof. Dr. Jan van Deth an der Fakultät für Politikwissenschaft als Gastwissenschaftler tätig. Sein zweijähriger Aufenthalt wird durch ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert.

Für sein Forschungsprojekt wird Theocharis 100 Menschen ohne Facebook-Account zu ihrem sozialen Netzwerk und ihren politischen Aktivitäten befragen. Die Hälfte von ihnen wird nach diesen Interviews ein Facebook-Profil erstellen. „Ich gehe davon aus, dass diese Menschen im Gegensatz zu jenen ohne Profil, durch das Hinzufügen von Facebook-Freunden ihre sozialen Netzwerke stark ausbauen werden“, sagt der Politikwissenschaftler, „und schon allein dadurch werden sie politisch aktiver.“ Facebook-Nutzer verbreiten Informationen, posten Artikel und rufen zu Protestaktionen auf. So kommen User sehr häufig mit politischen Themen in Berührung, können dazu ihre Meinungen posten.

Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist es, zu erforschen, ob das Internet es erleichtert, bestimmte Werte zu verbreiten. Theocharis geht von der Annahme aus, dass die Online-Welt ein Nährboden für postmaterialistisches Gedankengut ist. Postmaterialisten legen Wert auf immaterielle Dinge wie eine saubere Umwelt, Gleichberechtigung oder fairen Handel. Theocharis will deshalb herausfinden, ob die Nutzung von Facebook dazu beiträgt, solche Werte zu verbreiten.

Yannis Theocharis hat die vergangenen sieben Jahre in England studiert, wo er seine Dissertation zum Thema Postmaterialismus und Internet schrieb. Zusammen mit weiteren Politikwissenschaftlern der Universität Mannheim untersucht er außerdem welche Rolle Facebook und Twitter als treibende Kraft für die Protestbewegungen in Spanien und Griechenland spielten. Denn beim politischen Aktivismus im Netz bleibe es oft nicht, sagt Theocharis: „Facebook kann ein Auslöser sein, Menschen auf die Straße zu bringen.“
Quelle pressrelations.de

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