Neue Hoffnung bei chronischer Depression

Depression ist eine Volkskrankheit: 15 bis 20 Prozent aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens eine depressive Episode. Bei den meisten bildet sich diese Episode mit Hilfe von Psychotherapie und Medikamenten rasch und vollständig zurück. Anders sah es bisher für den Teil der Patienten aus, deren Depression sich entweder nach einer Episode nicht besserte und chronisch wurde, oder bei denen bereits vorher eine Verminderung der Erlebnisfähigkeit bestand – oft schon seit der Jugend. Am Universitätsklinikum Heidelberg kommt nun im Rahmen einer Studie eine neue Methode zum Einsatz: das sogenannte kognitiv behaviorale Analysesystem der Psychotherapie (CBASP).

Die Wirksamkeit dieser Methode wurde bereits in mehreren Studien in den USA gezeigt. In Zusammenarbeit mit acht Hochschulambulanzen und psychiatrischen Universitätskliniken sollen nun auch in Deutschland die neue Therapieform mit den bestehenden Behandlungsmöglichkeiten verglichen werden. Dadurch bietet sich Patienten aus dem Rhein-Neckar-Raum die Gelegenheit, kurzfristig eine qualifizierte Behandlung gegen chronische Depressionen zu erhalten. Sie wird ambulant, d. h. mit in der Regel einem wöchentlichen Termin, in der Ambulanz der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg durchgeführt. In der Studie soll gleichzeitig auch untersucht werden, welche Veränderungen Psychotherapie in der Funktion verschiedener Regulationssysteme des Gehirns bewirkt.

Veränderung in bestimmten Hirnarealen sichtbar

Diese als chronische Depression oder Dysthymie bezeichnete Erkrankung findet sich bei ca. 20 bis 30 Prozent der depressiven Patienten. Beim kognitiv behavioralen Analysesystem der Psychotherapie erlernt der Patient im unmittelbaren Kontakt mit dem Therapeuten, die Effekte seines Handelns auf andere Menschen besser wahrzunehmen und sein Denken besser im Sinne seiner eigenen Bedürfnisse auszurichten. Der parallel untersuchte Ansatz der supportiven Therapie beruht auf den allgemeinen Wirkfaktoren von Psychotherapie: eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung mit einem verständnisvollen, unterstützenden und einfühlsamen Therapeuten, das Bewusstwerden der eigenen Gefühle, der Verweis auf Erfolgserlebnisse, die Vermittlung von Hoffnung und Ermutigung und das Verständnis der Störung.

„Es ist davon auszugehen, dass der Erfolg der Psychotherapie ebenso wie der von Medikamenten auf eine Verbesserung von Hirnfunktionen zurückgeht, die für die Emotionsregulation und den sozialen Beziehungsaufbau verantwortlich sind“, erklärt Dr. Knut Schnell, kommissarischer Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg. Die für die Studie verantwortliche Psychologin Dr. Annette Stefini ergänzt: „Wir nehmen an, dass eine Besserung der depressiven Symptomatik mit einer Verbesserung der Aktivierbarkeit des Belohnungssystems verbunden ist.“ Gleichzeitig sollte sich nach der Psychotherapie die Aktivität der Areale, die für die Erkennung von Gefahrensignalen verantwortlich sind, normalisieren. Außerdem sollten Netzwerke des Gehirns, die der Wechselwirkung im sozialen Kontakt dienen, je nach Behandlungsmethode eine bessere Aktivierbarkeit zeigen.

Um diese Annahmen zu prüfen, wird parallel zur Psychotherapiestudie zu Beginn und nach 24 Sitzungen jeweils eine Untersuchung in einem Magnetresonanztomografen durchgeführt, bei der keine schädliche Strahlung auftritt und die für Studienteilnehmer freiwillig ist. „Wir hoffen, durch unsere Studie nähere Erkenntnisse über die Wirkmechanismen von Psychotherapie zu gewinnen, die in Zukunft weitere Verbesserungen der Behandlung erlauben“, so Dr. Schnell. Mit Hilfe solcher funktionellen Untersuchungen wollen die Wissenschaftler Vorhersagen darüber machen, welche Therapiemethode am besten für welchen Patienten geeignet ist.

Patienten, die an chronischen Depressionen leiden, melden sich ebenso wie Gesunde, die als Kontrollprobanden teilnehmen können, bei Frau Dr. Annette Stefini an der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie telefonisch unter der Nummer 06221/56 59 38 oder per E-Mail an depressionstudie@med.uni-heidelberg.de.

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Quelle pressrelations.de

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