Heavy on the wire? Schwer auf Draht oder auf dem Schlauch? Die Deutschen und ihr Englisch

Mit der unsterblichen Wendung „Equal goes it loose!“ soll Bundespräsident Heinrich Lübke Königin Elizabeth II. bei ihrem Staatsbesuch in Bonn 1965 auf den bevorstehenden Zapfenstreich eingestimmt haben. Seither – so steht zu hoffen – haben die Deutschen ihr Englisch ein wenig aufpoliert. Aber wie sieht es wirklich um ihre Kenntnisse in der wichtigsten Weltsprache aus? Dieser Frage ist TNS Emnid im November in einer repräsentativen Telefonumfrage nachgegangen. Das Marktforschungsinstitut wurde von dem Videospielhersteller Nintendo beauftragt, der für die tragbare Konsole Nintendo DS gerade eine Englisch-Lernsoftware herausgebracht hat: Practise English! Meistern Sie typische Alltagssituationen.

Die gute Nachricht für Angelsachsen: In Deutschland können sie sich problemlos verständigen. Denn 70 % der von TNS Emnid Befragten haben die Sprache einmal gelernt: fast drei Viertel der Westdeutschen und mit 55 % immer noch mehr als die Hälfte der Ostdeutschen, für die vor der Wende das Russische obligatorisch war. Auch zwischen den Altersgruppen zeigt sich ein klares Gefälle:
93 % der 14- bis 29-Jährigen bejahten die Frage „Haben Sie Englisch gelernt?“, aber nur 48 % der über 60-Jährigen.

Erstaunlich: Englisch ist als Geschäftssprache der globalen Wirtschaft zwar unverzichtbar, hat für die Deutschen aber größere Bedeutung im Privatleben. Von allen, die Englisch gelernt haben, gaben
30 % an, die Sprache gelegentlich oder sogar häufig im Geschäftsleben zu benutzen. Im Urlaub dagegen setzen 53 % ihre anglo-phonen Fähigkeiten zumindest gelegentlich ein. Immerhin: Unter den Berufstätigen kommt heute nur noch eine Minderheit von 39 % ganz ohne ihre Englischkenntnisse aus.

Die praktische Anwendung des Gelernten nimmt mit Bildungsgrad und Einkommen zu. Von den Englisch sprechenden Abiturienten oder Akademikern nutzen 44 % die Sprache häufig oder gelegentlich im Geschäftsleben. Nur 29 % von ihnen tun dies nie. Aber selbst 8 % der ungelernten Arbeiter greifen im Berufsleben hin und wieder auf das Englische zurück.

Im Durchschnitt lesen 32 % der deutschen Englischsprecher gelegentlich oder häufig Bücher und Zeitschriften in der Sprache der Beatles. Im Osten Deutschlands sind es mit 37 % etwas mehr als im Westen mit 31 %. Die Lust an der gelegentlichen Fremdsprachenlektüre nimmt bis zum 60. Lebensjahr rapide ab: 50 % der 14- bis 29-Jährigen geben ihr nach, aber nur 17 % der 50- bis 59-Jährigen. Mit dem Nahen des Rentenalters, also ab 60, steigt sie wieder deutlich an, auf 31 %.

Aber wie sicher sitzen die Deutschen eigentlich im englischen Sprachsattel? Hier zeigt sich: Das Selbstvertrauen sinkt mit dem Abstand zur Schul- und Studienzeit rasch. So gaben 60 % der Schüler, aber nur 36 % der Berufstätigen an, sich in geschäftlichen Angelegenheiten im Englischen sicher zu fühlen. Bei den über 50-Jährigen sind es sogar nur 21 %.

Es lässt sich also noch so einiges verbessern, bis die Deutschen in puncto Englisch schwer auf Draht sind. Heinrich Lübke hätte das vielleicht mit “Heavy on the wire” übersetzt. Korrekt wäre natürlich: „The Germans know their stuff.” Aber um solche alltäglichen Sprachsituationen zu meistern gibt es zur Übung ja jetzt die neue Nintendo-Software.
Weitere Informationen zu Nintendo finden sich im Internet unter www.nintendo-europe-media.com.
Per Mail eingesendet an Schlaunews.de

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