Technik

Vier Perspektiven. Vier Gespräche.

Folge 2/4: Interview mit Prof. Dr. Tina Histing (Ärztliche Direktorin und Direktorin der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, BG Klinik Tübingen) über die medizinische Perspektive

Vier Perspektiven. Vier Gespräche.

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Prof. Dr. Tina Histing, Ärztliche Direktorin u. Direktorin der Klinik für Unfallchirurgie (Bildquelle: BG Klinik Tübingen)

2/4 – Vier Perspektiven. Vier Gespräche.

Gefördert vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, unterstützt das Projekt SustainMed 2.0 den Transfer nachhaltiger Lösungen in die Praxis – für mehr Nachhaltigkeit in Krankenhäusern und Unternehmen. So werden Best-Practice-Beispiele mithilfe digitaler Instrumente identifiziert, sichtbar gemacht und für Kliniken deutschlandweit nutzbar gemacht. Durch die Vernetzung von Kliniken, Unternehmen und Politik sollen nachhaltige Maßnahmen dauerhaft im Versorgungsalltag verankert und damit Ressourcen geschont sowie Emissionen reduziert werden. Der Handlungsbedarf ist hoch: Eine durchschnittliche deutsche Klinik produziert täglich rund acht Tonnen Abfall und verursacht etwa fünf Prozent der Treibhausgasemissionen.

SustainMed 2.0 lebt vom Austausch unterschiedlicher Akteure. In unserer Interviewreihe geben vier Expertinnen und Experten aus den Bereichen Einkauf und Logistik, Medizin, Digitalisierung und Klimaschutzmanagement Einblicke in ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Ideen. Jede Woche erscheint ein Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus SustainMed 2.0.

Teil 2 unserer Interviewreihe ‚Vier Perspektiven. Vier Gespräche.‘ Nach dem Blick aus Einkauf und Logistik folgt heute die medizinische Perspektive mit Prof. Dr. Tina Histing.

Prof. Dr. Tina Histing – Ärztliche Direktorin und Direktorin der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, BG Klinik Tübingen

Was hat Sie persönlich bzw. Ihr Unternehmen/Ihre Einrichtung motiviert, sich in dem Projekt zu engagieren?
Nachhaltigkeit ist aus unserer Sicht ein Thema, das aus dem heutigen Arbeits- und Wirtschaftsleben nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig bietet das Projekt die Chance, Nachhaltigkeit nicht nur als abstraktes Ziel zu betrachten, sondern ganz konkret mit prozessualen und strukturellen Verbesserungen zu verbinden. Dadurch können Abläufe optimiert, Ressourcen bewusster eingesetzt und langfristig auch wirtschaftliche Potenziale genutzt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für uns die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit. Das Projekt schafft ein gemeinsames Teamgefühl und fördert den Austausch zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen. Gleichzeitig entsteht ein Bewusstsein dafür, dass Nachhaltigkeit eine gemeinsame Aufgabe ist, zu der jede Berufsgruppe und jeder Einzelne beitragen kann.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit mit dem Anspruch an höchste Versorgungsqualität vereinbaren?
Die Versorgungsqualität hat selbstverständlich höchste Priorität. Nachhaltigkeit und eine qualitativ hochwertige Versorgung schließen sich dabei grundsätzlich nicht aus: Nachhaltige Lösungen können durchaus dazu beitragen, Prozesse effizienter und langfristig auch besser zu gestalten.

Entscheidend ist für mich, Nachhaltigkeitsmaßnahmen immer im Kontext des tatsächlichen Klinikalltags zu betrachten. Sie müssen praktikabel sein, sich sinnvoll in bestehende Abläufe integrieren lassen und dürfen die Versorgung der Patienten nicht beeinträchtigen. Nur wenn Nachhaltigkeit mit den Anforderungen und den realen Gegebenheiten des Klinikalltags vereinbar ist, kann sie langfristig erfolgreich umgesetzt werden.

Was erwarten Sie von den anlaufenden klinischen Use-Cases im Projekt?
Ich erwarte, dass durch das Projekt das Bewusstsein für Nachhaltigkeit weiter gestärkt wird und die entwickelten Use-Cases auch langfristig Wirkung zeigen. Entscheidend ist für mich, dass die Ergebnisse nicht nur innerhalb unserer eigenen Klinik Anwendung finden, sondern auch auf andere Kliniken übertragbar sind.

Das Ziel sollte sein, mit den entwickelten Use-Cases anderen Kliniken konkrete und praxisnahe Anregungen zu geben, die sie auf ihre eigenen Gegebenheiten übertragen und dort umsetzen können.

Wie nehmen Mitarbeitende bislang das Thema Nachhaltigkeit im Klinikalltag wahr?
Die Mehrheit der Mitarbeitenden ist begeistert und zeigt ein klares Interesse daran, die eigene Arbeit nachhaltiger zu gestalten. Die entscheidende Aufgabe und zugleich größte Herausforderung bestehen für mich darin, Nachhaltigkeit so in den Arbeitsalltag zu integrieren, dass es ohne großen zusätzlichen Aufwand möglich ist und gleichzeitig einen konkreten und spürbaren Nutzen für die Mitarbeitenden bietet. Nur so können sie langfristig erfolgreich umgesetzt und im Arbeitsalltag verankert werden.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit mehr Kliniken diesen Weg einschlagen?
Aus meiner Sicht braucht es dafür vor allem finanzielle Unterstützung, zeitliche Ressourcen und vor allem klare und verständliche Handlungsempfehlungen sowie konkrete Ansatzpunkte für die Umsetzung im Klinikalltag.

Genau die Orientierung möchten wir mit unseren Use-Cases schaffen. Unser Ziel ist es, konkrete und praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die auch anderen Kliniken als Orientierung dienen und ihnen dabei helfen, nachhaltige Maßnahmen einfacher und gezielt in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projekts und zum Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen allgemein?
Für die Zukunft des Projekts wünsche ich mir vor allem, dass Nachhaltigkeit nicht in vielen kleinen Einzelprojekten gedacht wird, sondern als kontinuierlicher Prozess verstanden und fest in den Strukturen des Gesundheitswesens verankert wird. Nachhaltigkeit sollte langfristig ein selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Handelns und der Entscheidungsprozesse sein.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass sich alle Akteure im Gesundheitswesen gleichermaßen für eine nachhaltigere Gestaltung unserer Arbeit einsetzen.

Finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat.

Über die BioRegio STERN Management GmbH:
Die BioRegio STERN Management GmbH ist Wirtschaftsentwickler für die Life-Sciences-Branche. Sie fördert im öffentlichen Auftrag Innovationen und Start-ups und trägt so zur Stärkung des Standorts bei. In den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb mit den Städten Tübingen und Reutlingen ist sie die zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer, Unternehmerinnen und Unternehmer.
Die BioRegion STERN zählt zu den großen und erfolgreichen BioRegionen in Deutschland. Alleinstellungsmerkmale sind die bundesweit einzigartige Mischung aus Biotechnologie- und Medizintechnikunternehmen sowie die regionalen Cluster der Automatisierungstechnik, des Maschinen- und Anlagenbaus.

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