Ablenkung durch Smartphones bleibt ein erhebliches Sicherheitsproblem auf Deutschlands Straßen. Eine bundesweite Untersuchung des ACE Auto Club Europa zeigt: Bei rund jedem 30. beobachteten Kraftfahrzeug wurde eine verbotene Smartphone-Nutzung am Steuer festgestellt. An einer Kreuzung in Stuttgart lag die Quote sogar bei fast 18 Prozent. Der Automobilclub fordert deshalb mehr Polizeikontrollen und den Einsatz moderner Handy-Blitzer.
Zwischen April und Juli 2026 untersuchte der ACE im Rahmen seiner Clubinitiative „Kopf hoch! Handy-Verkehrs-Check“ das Verhalten von Autofahrern an insgesamt 309 innerörtlichen Kreuzungen in allen 16 Bundesländern.
Dabei beobachteten 352 ehrenamtliche Helfer und 13 hauptamtliche Regionalbeauftragte insgesamt 83.383 Kraftfahrzeuge.
Das Ergebnis: In 2.782 Fällen wurde eine eindeutig erkennbare, verbotswidrige Smartphone-Nutzung festgestellt. Das entspricht einer Quote von 3,3 Prozent.
Bei jeder halbstündigen Beobachtung wurden durchschnittlich neun Verstöße registriert.
Stuttgart ist trauriger Spitzenreiter
Besonders auffällig waren die erheblichen Unterschiede zwischen den einzelnen Kontrollpunkten.
Den höchsten Wert ermittelte der ACE an der Kreuzung Pragstraße/Löwentorstraße in Stuttgart. Dort wurden bei lediglich 84 beobachteten Fahrzeugen insgesamt 15 Smartphone-Verstöße festgestellt.
Das entspricht einer Quote von 17,9 Prozent.
Auch an zwei weiteren Kreuzungen fielen die Ergebnisse deutlich überdurchschnittlich aus:
- Pforzheim, Dietlinger Straße/Wildbader Straße: 11,1 Prozent
- Berlin, Danziger Straße/Greifswalder Straße: 10,5 Prozent
An vier anderen Kontrollpunkten in Braunschweig, Jüterbog, Oschatz und Trostberg wurde dagegen während der jeweils 30-minütigen Beobachtung kein einziger Verstoß festgestellt.
Saarland und Hamburg mit besonders hohen Quoten
Auch auf Ebene der Bundesländer zeigten sich deutliche Unterschiede.
| Bundesland | Verstoßquote |
|---|---|
| Saarland | 6,8 % |
| Hamburg | 5,6 % |
| Hessen | 5,2 % |
| Sachsen | 2,8 % |
| Bayern | 2,7 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2,3 % |
Allerdings weist der ACE darauf hin, dass insbesondere das Ergebnis des Saarlands nur eingeschränkt aussagekräftig ist. Dort wurden lediglich zwei Kontrollen durchgeführt.
Die Zahlen sind außerdem nicht als repräsentatives Ranking aller Autofahrer eines Bundeslandes zu verstehen. Untersucht wurden ausgewählte Kreuzungen und jeweils nur eine Fahrtrichtung während eines begrenzten Zeitraums.
15 Tote durch Ablenkung mit elektronischen Geräten
Wie gefährlich die Smartphone-Nutzung am Steuer werden kann, zeigen nach Angaben des ACE auch die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes.
Im Jahr 2025 wurde bei insgesamt 9.472 Verkehrsunfällen mit Personenschaden Ablenkung als Unfallursache erfasst. Das waren rund neun Prozent mehr als im Vorjahr.
Bei 1.108 dieser Unfälle war nachweislich die Nutzung elektronischer Geräte am Steuer ursächlich.
Die Folgen waren schwerwiegend:
15 Menschen starben und weitere 199 wurden schwer verletzt.
Die tatsächliche Zahl ablenkungsbedingter Unfälle könnte höher liegen, da sich die konkrete Ursache nach einem Unfall nicht immer zweifelsfrei feststellen lässt.
Zwei Sekunden Ablenkung bedeuten fast 28 Meter Blindflug
Wie schnell ein kurzer Blick auf das Smartphone gefährlich werden kann, verdeutlicht eine einfache Berechnung.
Wer bei Tempo 50 für zwei Sekunden auf sein Smartphone schaut, legt in dieser Zeit rund 28 Meter zurück, ohne den Straßenverkehr vollständig im Blick zu haben.
Bei Tempo 30 sind es immerhin noch knapp 17 Meter.
Besonders gefährlich ist das an Kreuzungen, Fußgängerüberwegen oder beim Abbiegen, wenn jederzeit andere Verkehrsteilnehmer auftauchen können.
Gerade Fußgänger und Radfahrer sind durch abgelenkte Autofahrer einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Auch an roten Ampeln ist das Handy nicht einfach erlaubt
Ein häufiger Irrtum betrifft die Smartphone-Nutzung während kurzer Stopps.
Nach § 23 Absatz 1a Straßenverkehrsordnung dürfen elektronische Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen, während der Fahrt grundsätzlich nicht aufgenommen oder gehalten werden.
Das Verbot gilt auch dann, wenn das Fahrzeug verkehrsbedingt wartet, beispielsweise an einer roten Ampel.
Eine Ausnahme besteht unter bestimmten Voraussetzungen, wenn das Fahrzeug steht und der Motor vollständig ausgeschaltet ist. Die automatische Abschaltung durch eine Start-Stopp-Funktion reicht dafür ausdrücklich nicht aus.
Wer ein Smartphone während der Fahrt nutzen möchte, muss die gesetzlichen Voraussetzungen für eine zulässige Bedienung erfüllen, etwa über Sprachsteuerung oder eine nur kurze, den Verkehrsverhältnissen angepasste Blickzuwendung ohne Aufnahme des Geräts.
Welche Strafen drohen bei Smartphone-Nutzung am Steuer?
Wer ein Smartphone verbotswidrig während der Fahrt nutzt, muss in Deutschland mit empfindlichen Konsequenzen rechnen.
| Verstoß | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| Unerlaubte Smartphone-Nutzung | 100 € | 1 |
| Mit Gefährdung anderer | 150 € | 2 |
| Mit Sachbeschädigung | 200 € | 2 |
Hinweis: Bei Gefährdung oder Sachbeschädigung kommt in der Regel zusätzlich ein Fahrverbot von einem Monat hinzu.
Bei einer Gefährdung oder Sachbeschädigung kommt außerdem regelmäßig ein einmonatiges Fahrverbot hinzu.
Die konkreten Folgen hängen vom jeweiligen Verstoß und den Umständen des Einzelfalls ab.
ACE fordert bundesweiten Einsatz von Handy-Blitzern
Der ACE hält zusätzliche Maßnahmen gegen Ablenkung im Straßenverkehr für erforderlich.
Neben verstärkter Aufklärung in Schulen und Fahrschulen fordert der Automobilclub gezielte Polizeikontrollen an besonders gefährlichen Straßenabschnitten.
Ein weiterer Vorschlag betrifft sogenannte Handy-Blitzer.
Dabei handelt es sich um spezielle Kamerasysteme, die mithilfe automatisierter Bilderkennung Hinweise auf eine unerlaubte Smartphone-Nutzung am Steuer erkennen können.
Der ACE spricht sich für eine bundeseinheitliche Rechtsgrundlage und verbindliche Datenschutzstandards aus.
Aufnahmen von Fahrern, die sich regelkonform verhalten, sollen nach Vorstellung des Automobilclubs unverzüglich gelöscht werden.
Mehr als nur Smartphone-Verstöße beobachtet
Während der bundesweiten Aktion dokumentierten die ACE-Helfer auch weitere gefährliche Situationen.
Dazu gehörten unter anderem Rotlichtverstöße, abrupte Bremsmanöver und riskante Situationen beim Abbiegen, durch die Radfahrer gefährdet wurden.
An einzelnen Kontrollpunkten beobachteten die Helfer außerdem einen Laptop auf einer Mittelkonsole sowie einen Hund auf dem Schoß eines Autofahrers.
Die Beobachtungen verdeutlichen, dass Ablenkung am Steuer weit über die Nutzung des Smartphones hinausgeht.
Automobilclub appelliert an Eigenverantwortung
Für den ACE steht nicht die Bestrafung von Verkehrsteilnehmern im Vordergrund, sondern die Verhinderung schwerer Verkehrsunfälle.
Der Vorsitzende Sven-Peter Rudolph betont, dass bereits ein kurzer Blick auf das Smartphone Menschenleben gefährden könne.
Deshalb müsse die Gefahr stärker ins Bewusstsein der Autofahrer rücken.
Die Botschaft der Clubinitiative lautet: „Kopf hoch – Handy weg – Fokus auf die Straße!“
Die bundesweite Untersuchung zeigt dabei vor allem eines: Trotz bekannter Risiken und bestehender Verbote gehört der unerlaubte Griff zum Smartphone für einen Teil der Verkehrsteilnehmer weiterhin zum Alltag.
Quelle: ACE Auto Club Europa, Pressemitteilung vom 20. Oktober 2026, Clubinitiative „Kopf hoch! Handy-Verkehrs-Check 2026“.
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ACE-Studie 2026: Bei jedem 30. Fahrzeug wurde ein Handy-Verstoß festgestellt. Wo die Quoten besonders hoch sind und welche Strafen drohen.
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