Ballaststoffe gelten als wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Doch längst kommen sie nicht mehr nur in Vollkornprodukten, Gemüse oder Hülsenfrüchten vor. Immer häufiger werben Hersteller mit ballaststoffreichen Getränken. Auch Dr. Oetker bietet seit Juni 2026 sogenannte High Fibre Drinks an. Die Milchgetränke enthalten eine beachtliche Menge Ballaststoffe und Vitamin B12 – allerdings auch rund 26 bis 27 Gramm Zucker pro Flasche. Wie gesund sind solche Produkte wirklich?
Der Trend zu sogenannten Functional Foods hält an. Gemeint sind Lebensmittel, die neben ihrem eigentlichen Nährwert mit zusätzlichen Inhaltsstoffen oder besonderen ernährungsbezogenen Eigenschaften beworben werden.
Nach Proteinpuddings, Eiweißshakes und angereicherten Joghurts rücken zunehmend Ballaststoffe in den Mittelpunkt.
Mit seinen High Fibre Drinks setzt Dr. Oetker genau auf diese Entwicklung. Die trinkfertigen Milchgetränke sollen eine unkomplizierte Möglichkeit bieten, zusätzliche Ballaststoffe aufzunehmen.
Drei Geschmacksrichtungen im Kühlregal
Die High Fibre Drinks sind seit Juni 2026 in drei Varianten erhältlich:
- Bourbon-Vanille
- Schoko-Geschmack
- Banane
Jede wiederverschließbare Flasche enthält 330 Milliliter.
Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers beträgt 1,89 Euro zuzüglich 25 Cent Pfand. Damit kostet eine Flasche einschließlich Pfand 2,14 Euro.
Umgerechnet entspricht der Produktpreis rund 5,73 Euro pro Liter ohne Pfand.
Alle drei Sorten tragen den Nutri-Score C.
Wie viele Ballaststoffe enthalten die Getränke?
Der wichtigste Bestandteil des Produktkonzepts ist die zusätzliche Versorgung mit Ballaststoffen.
Je nach Geschmacksrichtung enthalten die Drinks ungefähr 8,4 bis 9 Gramm Ballaststoffe pro Flasche.
Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen.
Eine Flasche kann damit rechnerisch etwa 28 bis 30 Prozent dieses Orientierungswertes liefern.
Das ist durchaus eine relevante Menge.
Ballaststoffe erfüllen verschiedene Funktionen im Körper. Sie können die Verdauung unterstützen, zur Sättigung beitragen und sich günstig auf bestimmte Stoffwechselprozesse auswirken.
Allerdings unterscheiden sich Ballaststoffe hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Wirkungen. Nicht jede zugesetzte Faser verhält sich im Körper genauso wie die Ballaststoffmischung aus natürlichen Lebensmitteln.
Rund 26 bis 27 Gramm Zucker pro Flasche
Neben dem Ballaststoffgehalt lohnt sich ein genauer Blick auf die übrigen Nährwerte.
Nach den veröffentlichten Produktangaben enthalten die High Fibre Drinks je nach Sorte etwa 26 bis 27 Gramm Zucker pro 330-Milliliter-Flasche.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Da es sich um Milchgetränke handelt, stammt ein Teil des Zuckers aus dem natürlich enthaltenen Milchzucker, der sogenannten Laktose.
Zusätzlich wird den Getränken Zucker zugesetzt.
Wie groß der jeweilige Anteil des natürlich vorkommenden und des zugesetzten Zuckers ist, lässt sich anhand der üblichen Nährwerttabelle nicht exakt bestimmen.
Deshalb wäre es falsch, die gesamten 26 bis 27 Gramm pauschal als zugesetzten Zucker zu bezeichnen.
Trotzdem zeigt der Wert, dass Verbraucher nicht allein auf die hervorgehobene Ballaststoffangabe achten sollten.
Wie viele Kalorien stecken in einer Flasche?
Auch bei den Kalorien handelt es sich nicht um ein besonders leichtes Erfrischungsgetränk.
Je nach Sorte liefert eine 330-Milliliter-Flasche ungefähr 229 bis 239 Kilokalorien.
Hinzu kommen etwa 11 bis 12 Gramm Eiweiß.
Die Drinks können damit eher als kleine Zwischenmahlzeit beziehungsweise als Bestandteil einer Mahlzeit betrachtet werden als als kalorienarmes Getränk gegen den Durst.
Wer seinen Energiebedarf im Blick behalten möchte, sollte die Kalorien entsprechend berücksichtigen.
Warum haben die Drinks nur Nutri-Score C?
Obwohl die Produkte mit Ballaststoffen und Vitamin B12 angereichert sind, erhalten alle drei Sorten lediglich den Nutri-Score C.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Getränke ungesund sind.
Der Nutri-Score berücksichtigt verschiedene ernährungsphysiologische Eigenschaften eines Lebensmittels. Er soll Verbrauchern helfen, Produkte innerhalb vergleichbarer Lebensmittelgruppen leichter einzuordnen.
Eine einzelne positive Eigenschaft wie ein hoher Ballaststoffgehalt führt deshalb nicht zwangsläufig zu einer besonders günstigen Gesamtbewertung.
Die Kennzeichnung macht deutlich, dass ballaststoffreich nicht automatisch gleichbedeutend mit einer insgesamt optimalen Nährwertzusammensetzung ist.
Welche Rolle spielt Vitamin B12?
Neben Ballaststoffen enthalten die Drinks zusätzlich Vitamin B12.
Das Vitamin ist unter anderem für die normale Funktion des Nervensystems, die Bildung roter Blutkörperchen und den Energiestoffwechsel wichtig.
Eine ausreichende Versorgung ist für den Körper notwendig.
Allerdings bedeutet ein zusätzlicher Vitamin-B12-Gehalt nicht automatisch, dass ein Getränk für jeden Menschen einen besonderen gesundheitlichen Mehrwert bietet.
Wer bereits ausreichend Vitamin B12 über seine Ernährung aufnimmt, benötigt deshalb nicht zwangsläufig ein entsprechend angereichertes Produkt.
Sind Ballaststoffdrinks eine Alternative zu Obst und Gemüse?
Ballaststoffreiche Getränke können grundsätzlich dazu beitragen, die tägliche Ballaststoffaufnahme zu erhöhen.
Sie ersetzen jedoch keine ausgewogene Ernährung.
Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen liefern neben Ballaststoffen weitere wichtige Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
Außerdem unterscheiden sich die verschiedenen Ballaststoffarten in ihrer Wirkung auf Verdauung und Stoffwechsel.
Wer seine Ballaststoffaufnahme erhöhen möchte, sollte deshalb möglichst auf unterschiedliche natürliche Quellen setzen.
Ein angereichertes Getränk kann eine Ergänzung sein, muss aber nicht die Grundlage der Versorgung bilden.
Können zusätzliche Ballaststoffe Verdauungsprobleme verursachen?
Wer bisher nur wenige Ballaststoffe zu sich nimmt und die Menge plötzlich deutlich erhöht, kann zunächst mit Verdauungsbeschwerden reagieren.
Mögliche Folgen sind Blähungen, Völlegefühl oder Veränderungen des Stuhlgangs.
Deshalb ist es sinnvoll, die Ballaststoffzufuhr schrittweise zu steigern und auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten.
Das gilt grundsätzlich auch für Lebensmittel, denen größere Mengen Ballaststoffe zugesetzt wurden.
Menschen mit empfindlicher Verdauung sollten besonders auf ihre individuelle Verträglichkeit achten.
Für wen können die High Fibre Drinks interessant sein?
Die Produkte richten sich vor allem an Menschen, die unterwegs eine trinkfertige Zwischenmahlzeit suchen und gleichzeitig ihre Ballaststoffaufnahme erhöhen möchten.
Dafür sprechen insbesondere die praktische Verpackung und die vergleichsweise hohe Ballaststoffmenge.
Die Drinks müssen nach Herstellerangaben im Handel gekühlt angeboten werden. Ungeöffnet sollen sie auch bis zu zehn Stunden ohne Kühlung verwendbar sein.
Wer dagegen vor allem ein kalorienarmes Getränk sucht oder seine Zuckeraufnahme begrenzen möchte, sollte die Nährwertangaben genauer prüfen.
Auch preislich gibt es Alternativen: Haferflocken, Vollkornbrot, Hülsenfrüchte und andere ballaststoffreiche Lebensmittel können häufig deutlich günstiger zur täglichen Versorgung beitragen.
Fazit: Praktische Ergänzung, aber kein Wundermittel
Die High Fibre Drinks von Dr. Oetker zeigen, wie stark sich der Lebensmittelmarkt in Richtung funktioneller Produkte entwickelt.
Mit rund 8,4 bis 9 Gramm Ballaststoffen pro Flasche liefern sie tatsächlich einen nennenswerten Beitrag zur täglichen Ballaststoffaufnahme.
Gleichzeitig enthalten sie rund 26 bis 27 Gramm Gesamtzucker und mehr als 200 Kilokalorien pro Flasche.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Ballaststoffe ein Getränk enthält, sondern wie es insgesamt in die persönliche Ernährung passt.
Wer sich ballaststoffreich ernähren möchte, benötigt dafür keine speziellen Drinks. Als gelegentliche Ergänzung können solche Produkte jedoch durchaus ihren Platz haben.
Quellen: Dr. Oetker, Presseinformation „High Fibre: Ballaststoffreicher Genuss in drei leckeren Sorten“, 11. Juni 2026; Produkt- und Nährwertangaben der High Fibre Drinks; Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Empfehlungen zur Ballaststoffzufuhr.
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